„Zukunft statt Zocken“ - Alternativen zu einer entfesselten Wirtschaft

Veröffentlicht am 31.10.2014 in Finanzen/Wirtschaft

Das war das Thema der sehr gut besuchten Veranstaltung (mehr als 50 Gäste) der Regionalgruppe Heilbronn des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD am 23.10.2014. Mit Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur der Zeitschrift Publik Forum, konnte ein prominenter Ökonom gewonnen werden, der sich in seinen Veröffentlichungen kritisch mit der Entwicklung der globalisierten Wirtschaft auseinandersetzt und nach alternativen Lösungen sucht.

Dr. Kessler hat sich zum Ziel gesetzt, wirtschaftliche Zusammenhänge publizistisch zu erläutern. Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei Ausdruck einer Zeitenwende: Ein Wirtschaftsmodell läuft aus, in dem in der Wirtschaft einfach nur mehr gekauft, mehr investiert und damit alle Probleme automatisch gelöst sind. Schon die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren habe gezeigt, dass Wachstum die sozialen und ökologischen Probleme nicht lösen kann. Trotz Wachstum wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern immer größer. An die Politik stellt Dr. Kessler 5 konkrete Forderungen:

  1. aktive Wirtschaftspolitik durch nachhaltige Investitionen, die die Wirtschaft und die Menschen stärken, ohne den Staat weiter zu verschulden
  2. mehr soziale Sicherheit, z.B. durch gesetzlichen Mindestlohn und Stärkung der Rentenversicherung
  3. Beteiligung Aller am Reichtum und an Unternehmen
  4. umweltgerechtes Wirtschaften
  5. ein neuer Umgang mit Geld, z.B. durch strenge Eigenkapitalvorschriften und Eigenverantwortung.

Anhand von mehreren Beispielen erläuterte Dr. Kessler, wie alternatives Wirtschaften in der Paxis funktionieren kann. So berücksichtigt z.B. die Stadtverwaltung Neuss bei allen öffentlichen Ausschreibungen nur noch die Produkte, die soziale und ökologische Kriterien erfüllen.

In der anschließenden regen Diskussion beantwortete Dr. Kessler u.a. die Frage, was jeder einzelne tun könne: An Veränderungen könnten sich schon heute alle beteiligen: Durch die Art, wie sie einkaufen – es gab noch nie so viele fair gehandelte Waren – durch die Art, wie sie ihr Geld anlegen oder von wem sie z.B. ihren Strom beziehen. Fazit von Dr. Kessler: wenn der Mut zu unkonventionellem Handel stimmt, wird eine nachhaltige Wirtschaft möglich – dann gilt „Zukunft statt Zocken“.