Blumhardt-Symposium in Stuttgart

Veröffentlicht am 05.10.2019 in Veranstaltungen

Andreas Stoch im Podiumsgespräch

Am 27.9.2019 hatten Andreas Stoch, Fraktionsvorsitzender und Rainer Hinderer, Kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, zu einem Symposium anlässlich des 100.Todestags von Christoph Blumhardt eingeladen.

Christoph Blumhardt war zunächst evangelischer Pfarrer, bis er in die SPD eintrat und deswegen die Kirche verlassen musste. 1900 wurde er in den Landtag gewählt. Er gilt als "Begründer der religös sozialen Bewegung in der Schweiz und Deutschland" (Wikipedia).

Andreas Stoch sprach die Begrüßung zum Symposium und nahm am Podiumsgespräch teil, zusammen mit dem ev. Landesbischof Frank Otfried July, der stellvertretenden Landesvorsitzenden des Diakonischen Werks Baden-Württemberg Eva-Maria Armbruster sowie Ingo Rust, dem Finanzbürgermeister der Stadt Esslingen am Neckar. MdL Rainer Hinderer moderierte das Gespräch, der Chor des Landtags Baden-Württemberg umrahmte die Reden mit anspruchsvollen Liedbeiträgen. Zuvor sprach der Vorsitzende der Blumhardt-Sozietät Christian Buchholz das Grußwort. Prof. Dr. Jörg Hübner, Direktor der Ev. Akademie Bad Boll, umriss in seinem Impuls für das Podiumsgespräch die tiefgehenden Einsichten des Pfarrers und Seelsorgers Christoph Blumhardt, die heute höchste Aktualität besitzen. Christoph Blumhardt wollte allein Jesus Christus nachfolgen: "Man braucht keinen dogmatischen Glauben an Jesus, den Sohn Gottes – man braucht nur zu folgen. Mit frommen Reden und mit dem Suchen des Eigenen kommt man nicht durch. Dabei bleiben wir stecken." Auf diesem Weg fand er die Sozialdemokratie: "Jahrzehntelang habe ich geseufzt und gerufen: 'Ach Gott, du hast mich doch in die Welt geschickt, und nun soll ich nur auf evangelisch-kirchlichem Boden mein Leben verbringen!' Da auf einmal packte mich Gott fest am Kragen und warf mich mit aller Gewalt – und ohne dass ich mich aus seiner Hand losmachen konnte – an die Türe der Sozialdemokraten. Plötzlich sprang die Tür auf, und als ich mich umsah, war ich in einer neuen Welt. Und wer die Welt einmal gesehen hat, kann nicht mehr zurück. Hier wird mein Herz international gestillt, endlich, endlich! Jetzt kann ich zu allen Menschen gehen, gleich welcher Nation und welcher Religion. Ich kann überall und für alle predigen. Und das muss ich, denn mein Christus ist für alle Menschen da." Aber er erkannte auch: "Ich denke an eine völlig neue Gesellschaft. Schon frühe fand ich, dass für mich eine Religion keinen Wert hat, wenn sie nicht die Gesellschaft ändert, wenn sie mir nicht schon das Glück auf Erden verschafft. So habe ich meine Bibel, so habe ich meinen Christus verstanden. Und darum fühle ich mich verwandt mit den Leuten, denen man vorwirft, dass sie einer Utopie nachjagen. Ich verbinde mich mit der Sehnsucht nach einer neuen Zeit – nicht mit der Partei. Der Wille Jesu allein gilt, dass die Welt umgestürzt werde. Wir wollen eine neue Gesellschaft gründen. Auch Christus will eine Menschheit, in welcher Gerechtigkeit und Wahrheit, Liebe und Leben alles durchdringt. Im Geiste Christi verbinde ich mich mit diesem Streben."

Christoph Blumhardt störte sich am Konfessionalismus, am Nationalismus, an ungerechter Einkommensverteilung und mangelnder Fürsorge für die Armen. Er wollte "der arbeitenden Klasse die Hand reichen" und brüskierte dabei auch eigene Freunde. Für Andreas Stoch ist Blumhardt ein Beispiel für den Mut, gegen eingefahrene Strukturen anzugehen. Diesen brauchen wir auch heute.

Quelle der Zitate: https://www.blumhardt-sozietaet.de/christoph-blumhardt-2/zitate-blumhardts/)

Weitere Links:

https://www.spd-landtag-bw.de/symposium-zum-100-todestag-ehrt-theologen-und-spd-parlamentarier-christoph-blumhardt/

https://der-medienberater.de/2019/10/01/ehrung-fur-grosen-theologen-christoph-blumhardt-macht-spd-und-kirche-hoffnung/

https://www.epd.de/regional/suedwest/schwerpunkt/kirche/blumhardt-ist-kirchlich-vereinnahmt-worden

 

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