Parteiführung zu Besuch beim Katholikentag - Jourfixe mit führenden Kirchenleuten auf dem Neckar

Veröffentlicht am 25.05.2012 in Allgemein

Am Himmelfahrtstag 2012 gab es am Katholikentag in Mannheim ein besonderes Treffen der Ökumene: Der Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD hatte zu einem Jour-Fixe-Empfang geladen, aus den unterschiedlichsten Richtungen und Denominationen sind Viele gekommen, darunter u.a. der Unionspolitiker und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück, die Kardinäle Reinhard Marx (München) und Rainer Woelki (Berlin), Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg- Stuttgart), der Ratsvorsitzende der EKD Schneider sowie der Bischof der koptischen Kirche, Anba Damian und der Islamwissenschaftler Bekir Albo?a. Die Politikprominenz wurde angeführt vom Vizepräsidenten des Bundestags und Sprecher des AK Christen und Christinnen in der SPD Wolfgang Thierse, der den Abend moderierte, dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Generalsekretärin Andrea Nahles sowie dem stellv. Ministerpräsidenten von Baden Württemberg Dr. Nils Schmid. Mit dabei waren aber auch Gesine Schwan und aus Mannheim Oberbürgermeister Peter Kurz und MdB Stefan Rebmann.

Sigmar Gabriel stellte in seinem Grußwort fest, dass sich das Sozialpapier der Kirchen von 2007 in den meisten Punkten mit den Zielen der SPD decke, obwohl diese Partei vor 150 Jahren eher als Gegenpart zu den Kirchen entstanden ist. Auch bei den Kirchentagsbesuchern habe er festgestellt, dass diese genau das tun, was auch die SPD möchte: Sie engagieren sich unbeirrt gegen Ungerechtigkeit in der ökonomisierten Gesellschaft, obwohl schon lange darüber diskutiert wird und sich bisher wenig verändert hat. Sie fordern die Vereinbarkeit von Familie und Er-werbstätigkeit, ein Hauptthema von Politik und Kirchen, und sind gegen die Vereinzelung in der Gesellschaft. Was für Christen selbstverständlich ist, werde in der Politik wieder neu wahrgenommen: Dass es nur gemeinsam geht, dass wir alle Verantwortung für die Gesellschaft haben. Wie in der Ökumene sei aber nicht nur wichtig das Wissen um Verbindendes, sondern auch um die Unterschiede. Besonders aber gefreut habe ihn, dass man für den Katholikentag die Farbe Rot gewählt habe...
Andrea Nahles meldete sich als engagierte Katholikin zu Wort. Sie freute sich, dass das Treffen zwischen SPD und Kirche diesmal nicht irgendwo in einem Hinterzimmer stattfand, sondern in größerem Rahmen. Sie ist weiterhin gern in der Kirche, auch wenn es bisweilen für sie sehr anstrengend war, musste sie dies doch immer wieder rechtfertigen, „weil die Kirche in vielen unangenehmen Themenbereichen tief mit drin steckte“. Deshalb empfahl sie auch den Vertretern der katholischen Kirche, dass diese ihr Verhältnis zu anderen Lebensformen wie z.B. dem der Lesben und Schwulen überdenken müsse. Karin Kortmann, Präsi-diumsmitglied des ZdK, nahm dies auf, indem sie betonte, dass die Kirche ihre biblische Aufgabe nicht wahrnehme, wenn sie sich nur mit sich selbst beschäftige. Weil die Gesellschaft und auch die Rolle der Kirche sich verändert haben, sei ein neues Gesamtkonzept für die Gesellschaftsentwicklung und ein Sozial- und Wirtschaftswort der Kirche erforderlich, wenn sie ihre Bedeutung für die Gesellschaft nicht verlieren möchte.
Dr. Nils Schmid fand es nur logisch, dass das ZdK für den Katholikentag das Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ gewählt hatte, sei doch nach 58 Jahren CDU-Regierung in Baden-Württemberg auch ein Neuaufbruch erfolgt. „Nach einem Jahr sieht man jetzt, dass es gut war!“ Er halte zwar ein fundiertes Bibelwissen nicht wie Roosefeld für wichtiger als ein Unistudium, aber ein festes Fundament sei wichtig für zielgerichtetes Verhalten auch in der Politik.
Der ehemalige Priester Paul Schobel hob als Sprecher des AK Christinnen und Christen der SPD Baden-Württemberg die Verantwortung der Politik für alle Menschen in der Gesellschaft hervor und gab der Überzeugung Ausdruck, dass die SPD ihren sozialpolitischen Kurs neu justieren müsse. Hierzu habe der AK Anstöße und Materialien für eine zukunftsfähige sozialdemokratische Sozialpolitik mit dem Titel „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ erarbeitet; dieses Papier wurde unter den Anwesenden verteilt (und ist kann hier heruntergeladen werden) .
Die kurzen Reden wurden unterbrochen durch ein Abendbuffet, bei dem die ca. 250 Anwesenden Kontakte knüpften oder auffrischten. Insgesamt kann dieser Abend als ein Erfolg gewertet werden, machte er doch den Teilnehmern deutlich, dass es (gerade) auch in der SPD eine Vielzahl von Christinnen und Christen gibt, die bereit sind, an der Veränderung der Gesellschaft mitzuwirken.

Stephan Fischer
AK Christinnen und Christen der SPD Rhein-Neckar

 

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