Klarstellung des AKC HD/RhN zum Thema Gleichstellung und Adoption

Veröffentlicht am 11.11.2013 in Standpunkte

Wir haben dem Landesvorstand am 30.10.2013 eine Stellungnahme bzgl. eines Antrages der Jusos am Landesparteitag in Reutlingen am 18./19.10.2013 zugesandt. Dies hat bei einigen Personen hohe Emotionen ausgelöst. Auch ist beim Landesvorstand eine „Beschwerde“ eingegangen: Unsere Stellungnahme sei eine „abstruse Entgleisung“.

Wir nehmen uns als Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD Rhein-Neckar und Heidelberg (AKC HD/ RhN) das Recht, unsere Meinung zu diesem Thema offen zu vertreten – auch wenn es sogar unter Christinnen und Christen unterschiedliche Auffassungen dazu gibt. Wir gehen davon aus, dass unsere Positionen als Diskussionsbeitrag in der SPD erwünscht sind.

Wir als AKC HD/ RhN wehren uns dagegen, wenn das von der Mehrheit der Gesellschaft getragene Familienbild angegriffen wird. Weiterhin ist das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, das von Delegierten auf Parteitagen von der breiten Basis weitgehend unbemerkt beschlossen wurde, aus unserer Sicht fragwürdig. Gerade auch weil in Frankreich wegen solcher Beschlüsse hunderttausende Menschen auf die Straße gingen, halten wir es für erforderlich, zu diesem Thema erneut in die Diskussion zu gehen.

Die Definition von Familie in den Beschlüssen ist uns zu diffus. Die traditionelle Form von Ehe und Familie darf nicht herabgewürdigt werden. Sie ist in der Praxis unserer Gesellschaft geradezu der Inbegriff gelebter Solidarität. Alle Umfragen, auch unter Jugendlichen, zeigen, dass die große Mehrheit der Menschen für sich genau diese Lebensform wünscht. Vereinbaren zwei oder mehr Partner gegenseitige Verpflichtungen, Sorgerechte und Ähnliches, ist das ihre Privatangelegenheit, kann ggf. auch gefördert werden, ergibt aber im wörtlichen Sinn noch lange keine Ehe oder Familie. Es gibt unzählige Fälle, wo Freunde, nahe oder entfernte Verwandte zusammenleben und füreinander sorgen, ohne dass sich daraus automatisch Sonderrechte für ihren Status ergeben. ‘Patchworkfamilien’, Alleinerziehende, etc. haben gleiche Rechte und verdienen da, wo es notwendig ist, unsere Solidarität. Sie sind aber oft nicht aus Wunsch, sondern aus der Not geboren und sicher nicht das neue Leitbild für alle. Es gibt für die SPD keinen sinnvollen Grund, sich vom herkömmlichen, positiv besetzten Bild der Familie abzuwenden. Ganz im Gegenteil.

Beim Adoptionsrecht und auch bei der medizinischen Ermöglichung von Elternschaft geht es aus unserer Sicht ausschließlich um das Recht des betroffenen Kindes (u.a. auf Vater und Mutter) und eben nicht um die Rechte potentieller Eltern. Ein Recht auf Elternschaft gibt es unseres Erachtens nicht. Durch die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften im Adoptionsrecht wäre aus unserer Sicht Kindern eine umfassende und chancengleiche Möglichkeit der Teilhabe verwehrt.

Wir stimmen ansonsten bezüglich der Notwendigkeit der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Beschlusslage überein.

Das sozialdemokratische Profil definiert sich nicht über die Frage, welches Lebensmodell jede/r Einzelne für sich wählt, sondern darum, wie wir gemeinsam die wirtschaftliche Gleichstellung aller Menschen in diesem Lande gewährleisten können. Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität sind unser gemeinsames Ziel.

Stephan Fischer - Thomas Scholz - Wolfgang Werner
Sprecher des AK Christinnen/ Christen in der SPD Rhein Neckar und Heidelberg