Christinnen und Christen in der SPD Baden-Württemberg

Adventsbotschaft in der Pandemie

Veröffentlicht am 06.12.2021 in Aktuelles

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9, 1)

Wir Christen in der SPD wissen, was unser Licht ist. Aber auch schon zu biblischen Zeiten gab es Zweifler. Einer von ihnen war Zacharias, der daran zweifelte, dass er und seine Frau in hohem Alter noch ein Kind bekommen könnten. Der Evangelist Lukas hat uns überliefert, dass Gott ihm dann tatsächlich einen Sohn geschenkt hat – Johannes – was übersetzt bedeutet: „Gott ist gnädig“. Und Zacharias lobte Gott und sagte: „Gott hat uns einen starken Retter geschickt … wir können ohne Furcht in seiner Gegenwart leben und ihm unser Leben lang dienen als Menschen, die ihm gehören und seinen Willen tun.“ (Lukas 1, 69+75)

Die Gesellschaften bezeichnen sich heute als „aufgeklärt“, aber Furcht existiert weiterhin. Angst hat die Welt erfüllt angesichts eines neuen Virus, der global die Gesundheit der Menschen bedrohen kann. Angesichts der Methoden, wie diesem Virus zu begegnen ist, steht sich in Deutschland eine unversöhnliche Phalanx gegenüber, manchmal auch unter Christen: Auf der einen Seite die Impfbefürworter, auf der anderen Seite die Impfgegner. Die eine Seite wirft der anderen fehlende Solidarität vor, die andere beklagt sich über nicht gerechtfertigte Eingriffe in das vom Grundgesetz geschützte Selbstbestimmungsrecht. Beide berufen sich auf das Gebot der christlichen Nächstenliebe. 

Können wir aus dieser Eskalationsspirale wieder herausfinden? Gab es nicht immer noch einige Möglichkeiten? 

  • Zu Beginn der Pandemie machte das „System Palmer“ Schule. Einige Städte haben es dem Tübinger OB nachgemacht. Eigentlich ganz simpel: Masken- und Testpflicht für jeden, der am gesellschaftlichen Leben teilnehmen will. Dazu wurden an verschiedenen Punkten der Stadt Testzentren aufgebaut und vulnerable Personengruppen konnten sich vorrangig impfen lassen. Eine Trennung von Geimpften und Ungeimpften war so unnötig. Dies ist umso sinnvoller als mittlerweile klar ist, dass beide Gruppen das Virus weitergeben. 
    Warum mussten diese Testzentren wieder geschlossen werden? Mangels Geld oder mangels Unterstützung durch die baden-württembergische Landesregierung?
    Jetzt soll die Impfpflicht es richten. Ist das mit Sicherheit der einzige Ausweg?
  • Dann kam der Lockdown mit dem Rasenmäher: monatelange Schul- und Geschäftsschließungen, teils unverständliche Ausnahmen von der allgemeinen Regelung, strenge Maskenpflicht, aber Pannen bei der Maskenbeschaffung, fehlende Kommunikation zwischen Regierung und Bevölkerung und dadurch wachsender Frust. Immerhin ist mittlerweile klar, dass Homeschooling die Probleme nicht gelöst, sondern sie für unzählige Familien und Kinder verschlimmert hat, weswegen derzeit diese „Lösung“ zurecht verworfen wird.
    Hätte man nicht statt eines in der Öffentlichkeit als einseitig wahrgenommenen Beratungsgremiums schon damals einen vielseitigen Expertenrat aus Virologen, Epidemiologen und, ja, Psychologen zusammenstellen müssen, der alle Bedenken aufgreift, aber dennoch mit einer Stimme spricht und zugibt, dass er nicht des Rätsels Lösung besitzt, sondern nur fundierte Empfehlungen abgeben kann auf der Basis des jeweils verfügbaren Wissens? 
    Warum können die Experten nicht andere Impfstoffe und Medikamente empfehlen, die in anderen Ländern der Welt schon lange helfen, die Pandemie zu bekämpfen und weitere Lockdowns zu verhindern? 
    Ist es tatsächlich richtig, dass es nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts jetzt keine roten Linien mehr gibt? Dies darf kein Freibrief für künftige Regierungen sein.
  • Statt Abbaus an Intensivbetten aufgrund Personalmangels in der Pflege hätte es um Vorhaltung freier Betten und Aufbau von Pflegepersonal gehen müssen, was zum Glück in einigen Kliniken gerade wieder versucht wird. Im privatisierten Krankenhaussystem ist das natürlich ein finanzieller Verlust. Im Blick auf die Zukunft müsste das bedeuten: Das Gesundheitssystem muss instand gesetzt werden, die Grundversorgung der Bevölkerung leisten können. Zeit für Zuwendung und Pflege statt Gewinnorientierung.
    Warum ist die versprochene Gehaltserhöhung für das miserabel bezahlte Pflegepersonal immer noch nicht umgesetzt worden? Ein Jahresgehalt von 40.000 € – mindestens so viel wie ein Monteur in der Automobilindustrie – sind das Mindeste. Die Bevölkerung versteht nicht, warum für die Bankenrettung und Impfstoffe genug Geld da ist, aber nicht für das Gesundheitssystem.

In diesem Sinne unser Appell: Solidarität und Miteinander reden statt Ausgrenzung. Als Christen wissen wir, dass wir nicht gegen Fleisch und Blut kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten (Brief des Paulus an die Epheser, Kapitel 6, Vers 12). Und dagegen helfen nur Liebe und Vergebung, so weltfremd das auch für manche klingen mag. Für Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bedeutet das: Respekt vor der Meinung des Andersdenkenden. Das war SPD-Slogan der letzten Bundestagwahl.

 

Der Täufer Johannes wies auf das Licht hin, das in der Dunkelheit scheint und heller ist, als er selbst. Dunkelheit braucht das Licht eines Anderen. Dunkelheit existiert nicht, sondern ist nur das Fehlen von Licht. Dunkelheit braucht den Retter. Lasst uns in der Welt Licht sein, das stets den Anderen sieht. Das ist die Nächstenliebe, die Jesus meint und auch die Solidarität, die der SPD eigen ist. 

 

Angela Madaus, Stephan Fischer 
Sprecher des AK Christen in der SPD Baden-Württemberg

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